Die Zünfte im Mittelalter



Die Zünfte im Mittelalter

Durch die ständig steigende Anzahl und zunehmende Größe der Städte kam es zu einer Spezialisierung der Handwerker und Gewerbetreibenden innerhalb einer Stadt. Seit dem 12. Jahrhundert entstanden daher in den Städten Gewerbegenossenschaften für Handwerker, die sogenannten Zünfte.


Die Anzahl der Zünfte wuchs mit der gewerblichen Warenproduktion, denn die Produktionsausweitung bedeutete im Mittelalter nur eine höhere Anzahl an Handwerkern, nicht aber technischer Fortschritt und Rationalisierung. Der Fortschritt lag daher in der Steigerung der Vielfalt und in der Qualität des Angebots. Die damaligen Zünfte sind nicht mit den heutigen Berufsverbänden vergleichbar. Die zünftigen Meister wachten mit dem Ziel jedem Handwerker sein Existenzminimum zu gewährleisten, über die Menge und Güter der Erzeugnisse sowie uber die Verkaufspreise. lnnerhalb einer Zunft gab es keine Konkurrenz,und damit auch keinen Verdrängungswettbewerb. Die Zünfte erfaßten auch den Gesamten privaten Lebensbereich der Mitglieder: Gottesdienst, Hochzeit, Begrabnis, Kriegsdienst.

Zunftaufstande: Kampf um Mitbestimmung

Im 12. und 13. Jahrhundert verlangten auch die Zünfte Einfluß auf politische Willensbildung, also Sitze im Rat dessen Patrizische Familien sich als neuen Adel ansahen. Wo sich die Patrizier gegen Aufsteiger aus den Zünften wehrten oder sie sich dem Verlangen nach Mitbestimmung wiedersetzten, kam es zu blutigen Auseinandersetzungen. lm 14.Jahrhundert erlangen zum Beispiel die Städte Regensburg, Wien, Freiburg, Speyer und auch Magdeburg die Durchsetzung ihrer Forderungen. So wurden in Ulm sogar die Patrizier kurze Zeit komplett aus den Raten ausgeschlossen. Die Teilhabe der Zünfte machte den Rat aber nicht zur Stadtparlament, denn es fanden keine neuen Wahlen statt, denn der Ratssitz war nur bestimmten, angesehenen Familien möglich und dieser Sitz wurde ein Leben lang gepflegt und dem altesten, männlichen Nachkommen vererbt.

In der Lübecker Detmar-Chronik befindet sich ein Bericht uber die "Große Schicht" von 1374 in Braunschweig: "Im Jahre 1374 war in der Stadt Braunschweig der Teufel los und hetzte das Volk gegen den Rat. Ein Teil der Ratsherren wurde totgeschlagen, ein Teil gefangengenommer und geköpft, ein Teil aus der Stadt getrieben. Wem von den Ratsherren, ihre Kinder und ihrem Geschlecht es gelang, die Stadt zu verlassen, der war am Besten dran. Das führerlose Volk lief in den Weinkeller, zerschlug die Fasser und lies den Wein auf die Erde laufen. Sie führten den Burgermeister Tilo von dem Damme unter schmahlicher Mißhandlung vor die Stadt, liefen dann in sein Haus und nahmen was sie fanden, sie legten Feuer an das Haus, das es bis auf den Erdboden niederbrannte, dann, schlugen sie Herrn Tilo den Kopf ab. Zu all den lasterlichen Missetaten setzen sie aus allen Zunften einen neuen Rat ein, so wie es ihnen behagte. Das Allerschlimmste war, das sie an die Zünfte aller Stadte Briefe sandten, in denen sie ihr Recht dartun wollten und klagten, daß sie zu hart behandelt und beschatzt worden waren, was sie nicht mehr hatten ertragen konnen. Mit diesem Sendschreiben reizten sie das Volk anderer Städte wegen ihren Rat, auf, was schwer zu dulden wat. Um diesen und anderen Untaten willen wurden sie aus dem Hause der Kaufleute (= Hanse) ausgeschlossen. Man durfte ihre Ware weder kaufen noch verkaufen. Sie blieben bis ins siebte Jahr außer der Hanse.

Quellen: "Die Chronik der deutschen Stadte" , "Geschichte und Geschen 11"